CDU-Landesgruppe Baden Württemberg im Deutschen Bundestag

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Startseite Pressemitteilungen Volker Kauder: Situation der Christen in Indien ist weiter problematisch

Volker Kauder

Situation der Christen in Indien ist weiter problematisch

Thema bei Regierungskonsultationen im Oktober

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat in den vergangenen Tagen Indien besucht. Wie zuvor in Vietnam war auch in Indien die Religionsfreiheit zentrales Thema in den Gesprächen der Delegation. Zu den Ergebnissen seiner Reise erklärt Kauder:

"Die Wahrung der Religionsfreiheit und vor allem die Situation der Christen in Indien muss uns weiter Sorgen bereiten. Vertreter der Kirchen haben die Darstellung der Regierung in Zweifel gezogen, dass die Religionsfreiheit uneingeschränkt gelte und Übergriffe auf Gläubige – Christen wie Muslime – eine absolute Ausnahme seien. Christen sprachen vielmehr von vermehrten Übergriffen radikaler Hindus, die von der Polizei zum Teil geduldet würden. In den Medien werde darüber oft nicht berichtet. Von Seiten der Kirchenvertreter wurde davon gesprochen, dass schwierige Zeiten für die religiösen Minderheiten angebrochen seien.

Angesichts solcher alarmierenden Erklärungen werde ich mich dafür einsetzen, dass die Lage der Religionsfreiheit bei den deutsch-indischen Regierungskonsultationen, die Anfang Oktober in Indien stattfinden, angesprochen wird. Die Wahrung der Religionsfreiheit ist sicher nicht die einzige Frage, die auf dem Treffen erörtert werden sollte. Zwischen Deutschland und Indien gibt es noch eine Vielzahl von anderen Themen. Doch sollte uns die Entwicklung in Indien in diesem Bereich nicht egal sein. Indien hat als größte Demokratie der Welt hier eine Vorbildfunktion. Hass und religiöse Intoleranz dürfen dort nicht Platz greifen.

Wir haben leider schon genügend Regionen auf der Welt, wo das der Fall ist – mit den bekannten Auswirkungen auch auf Deutschland und Europa. Bereits jetzt registrieren die Behörden in Deutschland steigende Asylbewerberzahlen aus Pakistan, wo die Religionsfreiheit jedoch in wesentlich stärkerem Maße bedroht ist als in Indien.

Bedenklich waren die Schilderungen aus den Kirchen, wonach radikale Hindus in der Regierungspartei BJP anstreben, dem Hinduismus auf Kosten der religiösen Minderheiten eine noch größere Rolle in der indischen Gesellschaft zu verschaffen. Diese betrieben in manchen Regionen eine Verdrängung von Menschen anderen Glaubens. Ziel sei es, Dörfer mit rein hinduistischer Bevölkerung zu schaffen. Berichtet wurde auch von Vergewaltigungen und Tötungen von Christen auch aus religiösen Motiven.

Zurückgewiesen hat meine Delegation die Haltung von Teilen der Regierungspartei, wonach von außen Fragen der religiösen Toleranz nicht angesprochen werden dürften. Menschenrechte sind universal. Ihre Einhaltung geht jeden an. Es ist zu hoffen, dass in der indischen Regierung die Position der indischen Minderheitenministerin Najma Heptulla maßgeblich ist. Sie trat mit großer Herzenswärme überzeugend dafür ein, dass Indien immer ein Land der Vielfalt war und bleiben muss."

Hintergrund:

An dem Indienteil der Reise des Fraktionsvorsitzenden nehmen auch der Parlamentarische Geschäftsführer Bernhard Kaster und die umweltpolitische Sprecherin Marie-Luise Dött teil.

In Neu Delhi traf die Delegation am Mittwoch zunächst den Generalsekretär der Regierungspartei BJP, Ram Madhav. Der BJP wird vorgeworfen, dass ein Flügel radikal-hinduistische Positionen vertritt. Weitere Gesprächspartnerin war Minderheitenministerin Najma Heptulla. Dem schloss sich ein intensives Gespräch mit dem katholischen Erzbischof von Neu Delhi, Anil Joseph Thomas Couto, und seinen Mitarbeitern an.

Am Donnerstag besuchte die Delegation Orissa. Dort war es 2008 in der Region Kandhamal zu pogromartigen Übergriffen auf Christen mit zahlreichen Toten gekommen. Nach seiner ersten Reise im Jahr 2011 wollte Kauder das Gebiet erneut besuchen, um sich darüber zu informieren, ob sich die Lage verbessert hat. Gesprächspartner waren hier der Ministerpräsident des Bundesstaates Naveen Patnaik sowie Vertreter von Hilfsorganisationen und wiederum von Kirchenvertretern.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 28. August 2015